Ich traue es mich gar nicht laut sagen, deswegen schreibe ich es einfach auf: nach dem Abi hatte ich mich auch für den Bachelor „Hebammenkunde“ an der Hochschule für Gesundheit in Bochum beworben. Da müssen die meisten von euch wahrscheinlich schmunzeln, obwohl – soweit ich informiert bin – in vielen Ländern, z.B. den Benelux-Staaten, „Geburtshelfer“ etablierte Mitarbeiter im Gesundheitswesen sind.

Anyway: Im Rahmen unserer Geburt haben sich einige Gespräche ergeben, die mich dazu gebracht haben mich ein bisschen schlau zu machen wie es um die Hebammen steht. Wohl jeder würde dem zustimmen, dass sie einen „inhaltlich“ spannenden Beruf haben lässt sich wohl kaum abstreiten – gesunde Frauen in der Schwangerschaft begleiten und regelmäßig das Wunder einer Geburt zu begleiten, das ist doch einfach ein Geschenk!

Zu den Arbeitsbedingungen der Hebammen ist der allgemeine Tenor dagegen eher: die aaaaaarmen Hebammen haben eine schlechte Lobby, verdienen lausig und müssen so hohe Versicherungsprämien abdrücken, dass niemand mehr diese wichtige Arbeit machen möchte.

Wisst ihr was? Nach meiner Recherche kann ich da nur laut lachen! Alleine dass man von einer Hebammen-Lobby spricht, ist doch schon einmal was! Oder habt ihr schon einmal von einer Altenpflege- oder einer Obdachlosenhilfe-Lobby gehört? Dass die Lobby der Hebammen laut und effektiv ist, das sieht man am besten in dem man sich die Diskrepanz zwischen öffentlichem Bild und harten Facts zum Thema Geld ansieht:

Natürlich sind diese Beträge kein Nettoverdienst: da gehen Steuern, Betriebskosten usw. von ab. Und was glaube ich von vielen unterschätzt wird ist der Stress, dem freie Hebammen im Rufdienst ausgesetzt sind… da hat man selten mal ein Wochenende richtig frei und muss jede Minute damit rechnen, dass man sich auf den Weg zu einer Frau unter Geburt machen muss, egal ob im Kino, beim Einkaufen oder im Bett. Das ist eine enorme Belastung, auch wenn dieser Rufdienst zusätzlich mit circa 500 Euro pro Geburt vergütet wird. Das ist vermutlich auch der Hauptgrund für viele Hebammen sich für ein geringeres Gehalt in einer Klinik anstellen zu lassen, das Einstiegsgehalt liegt dort bei etwa 2700 EUR.

Versteht mich richtig: ich bin erst einmal absolut im Boot der Hebammen, kann nachvollziehen, dass sie ambitionierte Lobbyarbeit machen und finde, dass ihre Arbeit adäquat vergütet und Fall-adaptiert abgerechnet werden muss. Ich bin einzig diese ewige Opfernummer mit dem Geheule um das vermeintliche Nagen am Hungertuch der freien Hebammen leid. Selbst wenn man konservativ mit vier Geburten pro Monat rechnet, dann ergibt sich zusammen mit den Nach- und Vorsorgeterminen ein Einkommen das weit über dem eines jeden Altenpflegers liegt – und diese Berufsgruppe hat wie eingangs erwähnt keine Lobby und macht einen genauso wichtigen Job!

2. Februar 2018

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